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Eine nachhaltige Modebranche beginnt bei dir selbst!

Die Qualität der Kleidung nimmt stetig ab. Und die Menge an Kleidung, die man kauft und verkauft, steigt in außergewöhnlichem Ausmaß. Große Handelsketten beschäftigen sich immer weniger mit dem, was unserer Meinung nach, Mode ist: nämlich der Wunsch sich zu unterscheiden und sich Teile anzuschaffen, die dir die kommenden Jahre Freude bereiten. Es muss alles schneller und mehr sein. Und dass Kleidung wegen der geringeren Qualität weniger lange hält? Das scheint unbedeutend zu sein, denn Kleidung ist doch nur für eine kurze Zeit „trendy“.

Aber es gibt eine Gegenbewegung. Dank dem, dass mehr als 700 Unternehmen den "Open Letter To The Fashion Industry" unterzeichnet haben, wird anerkannt, dass mit der aktuellen Modebranche etwas nicht stimmt. Das derzeitige System ist nicht mehr haltbar: Es muss sich etwas ändern. Und vielleicht wird dieser Prozess durch die Corona-Krise beschleunigt.

Dunkle Zeiten lassen uns nach einer besseren Welt verlangen. Viele Unternehmen wollen jetzt echt eine Wende vollziehen. Selbst große Marken wie Giorgio Armani, Dior und Acne Studios kommen in Aktion, indem Sie den Brief unterschreiben.

Sander Lossie, unser Direktor von House of U, erklärt seine Beweggründe warum er an dieser Aktion teilnimmt.

Sander Lossie Sustainable vision

Die Geschichte zum “Open Letter To The Fashion Industry”

Was bedeutet der “Open Letter To The Fashion Industry”?

,,Der Brief schlägt Veränderungen in der Modebranche vor. Die aktuelle Situation ist nämlich nicht mehr haltbar. In den vergangenen Jahren hat sich vieles so schnell geändert. Alles muss schneller sein und es kommen immer mehr Kollektionen. Mit dieser Geschwindigkeit kann man kaum Schritt halten, sicher nicht für einen längeren Zeitraum.’’

Und warum hast du die Petition unterschrieben?

„Ich habe den Brief unterschrieben, weil ich auch der Meinung bin, dass sich die Modebranche ändern muss. Die derzeitige Lieferkette führt zu viel Überbeständen, textilem Abfall und vor allem zur Ausbeutung von Arbeitnehmern in Niedriglohnländern. Das muss sich ändern!

Deshalb habe ich die Petition unterschrieben.”

Die von Sander unterzeichnete Petition spricht sich unter anderem für einen ausgewogeneren Nachschub neuer Produkte, nur Ausverkäufe am Ende einer Saison und weniger unnötigen Transport und Material aus. Möchtest du mehr über diesen "Open Letter To The Fashion Industry" erfahren? Dann lies den Artikel von Harpers Bazaar.

Was hältst du davon, dass auch nicht nachhaltigen Marken die Petition unterschreiben? Kennst du die Gefahren von Greenwashing?

„Tatsächlich sehe ich Unternehmen, von denen ich weiß, dass sie bei weitem nicht so weit sind betreffend Nachhaltigkeit. Es wirft natürlich Fragen auf. Denn: Wollen die Unternehmen das wirklich? Und was werden sie dafür unternehmen? Aber das liegt in ihrer eigenen Verantwortung.

In jedem Fall ist es ein guter Anfang, wenn ein Unternehmen den Brief unterschreibt. Ein Unternehmen zeigt damit, dass es bereit ist, in nachhaltige Veränderungen zu investieren.

Trotz der Tatsache, dass es meiner Meinung nach nicht schnell genug geht, ist es doch eine gute Sache.’’

Was wird deiner Meinung nach diese Petition bewirken?

„Der Weg zu Veränderung beginnt bei dir selbst. Es gibt mittlerweile viele Unternehmen, die das Problem erkennen und feststellen, dass es so nicht weitergehen kann. Die aktuelle Coronakrise wird den Gedankengang, der sich hinter dieser Petition befindet, erheblich beschleunigen. Letztendlich denke ich, dass wir mehr Nachhaltigkeitsinitiativen bekommen werden, wie weniger schnell aufeinanderfolgende Kollektionen und mehr die Verwendung von nachhaltigen Stoffen.

Ein richtiger Schritt, aber Unternehmen können es nicht alleine schaffen. Wir brauchen auch die Regierung und die Konsumenten.’’

Warum die Regierung und der Konsument eine entscheidende Rolle spielen

Welche Rolle spielen Regierung und Konsumenten bei der Verwirklichung einer nachhaltigen Modebranche?

,“Staatliche Vorschriften und Gesetze können eine wichtige Rolle bei der Beschleunigung einer nachhaltigen Transformation spielen. Sie legen schließlich die Regeln fest und können sie durchsetzen. Aber auch die Rolle des Verbrauchers ist wichtig.

Wenn ich in Eindhoven einkaufen gehe und irgendwo ein T-Shirt für 2,99 € hängen sehe, weiß ich, dass es für das Geld nicht möglich sein kann.

Jemand hat es genäht, jemand hat den Stoff produziert, es gebleicht, gefärbt, bedruckt, etcetera. Dies ist nur mit Massenproduktion und sehr niedrigen Löhnen für die Mitarbeiter möglich. Ich finde das skandalös: Sie verdienen ein faireres Gehalt und bessere Bedingungen.

Ich finde es auch schade, wenn man ein T-Shirt kauft, das man nur ein paar Mal trägt. Das ist eine Mentalität, die ich als Unternehmer und Modeliebhaber wirklich nicht verstehen kann. Ich besitze Kleidungsstücke, die ich schon seit über 10 Jahren habe und immer noch gerne trage. Ich verstehe, dass man aufgrund der zunehmend geringeren Qualität großer Ketten (weil es immer weniger kosten darf) die Kleidung schneller ersetzen müssen.

Es gibt aber auch Unternehmen, die sich für Nachhaltigkeit entscheiden. Der Konsument sollte auch damit beginnen. Denn solange es eine Nachfrage nach Fast Fashion gibt, gibt es kein klares Signal vom Konsumenten an die Unternehmen, mit diesen Praktiken zu stoppen.’’

Wie House of U zu einer besseren Modewelt beiträgt

„Als Stoffhersteller sind wir natürlich ein wichtiger Bestandteil der Modekette. Durch lokale und „Print on Demand“ Produktion verhindern wir Überproduktion. Darüber hinaus sind unsere Stoffe von sehr hoher Qualität. Infolgedessen halten die mit unseren Stoffen hergestellten Kleidungsstücke und Möbel jahrelang.

Die Lebensdauer unserer Stoffe ist nicht mit der von Fast-Fashion-Herstellern zu vergleichen.“

Weitere Beispiele, die dir zeigen, wie House of U einen nachhaltigen Beitrag zum Wandel der Modebranche leistet

“Wir konzentrieren uns hauptsächlich auf weniger Materialverbrauch und weniger Transport. Der Verkauf erfolgt online und die Produktion erfolgt in den Niederlanden mit Digitaldruckmaschinen. Es ist also kein Fall von langen Transportwegen aus einem anderen Kontinent oder schlechten Arbeitsbedingungen in einem Niedriglohnland.

Kunden können bei uns ihr eigenes Design hochladen. Sie können dann auswählen, auf welchen Stoff sie es drucken lassen möchten und wir führen die „Print on Demand“ Produktion hier bei uns aus. Da man bei uns schon ab einem Meter bestellen kann, bestellt man nie zu viel.

Dies ist eine bewusste Entscheidung für uns, weil wir Designern helfen möchten, den Stoffüberschuss zu reduzieren.

Außerdem versuchen wir, immer mehr nachhaltigere Stoffe in unser Sortiment aufzunehmen. Mit nachhaltigen Stoffen meine ich, dass der Stoff entweder (teilweise) aus Rezyklat oder auf eine nachhaltige Weise hergestellt wird.’’

Digital printing machine

Der Anteil Digitaldruck in der Modebranche

Wie groß ist der Anteil von Digitaldruck in der Modebranche?

„Die Produktion von bedruckten Stoffen mittels Digitaldrucker macht derzeit nur irgendwo zwischen 6% und 8% der Gesamtproduktion aus. Der Rest erfolgt weiterhin mit konventionellen analogen Druckverfahren, hauptsächlich im Siebdruck.

Der Vorteil von Siebdruck besteht darin, dass man große Mengen relativ billig produzieren kann. Der große Nachteil ist jedoch, dass man sehr hohe Anlaufkosten hat und nur Aufträge in großen Mengen ökonomisch produzieren kann. Man muss da in einer Größenordnung von mindestens 1000-2000 Laufmeter / Design denken.

Im Digitaldruck ist das anders.’’

Vorteile vom Digitaldruck

„Digitaldruck hat zwei große Vorteile. Erstens fallen keine/kaum Anlaufkosten an, da man direkt online bestellen kann. Und man braucht keine Schablonen. Und zweitens kannst du schon ab einem Meter bestellen, sodass du weniger davon produzieren lassen musst. Das spart Geld und unnötigen Abfall. 

Bei uns hast du uneingeschränkte Farbfreiheit und kannst du sogar Fotos verwenden. Die künstlerische Freiheit in Bezug auf Design und Kreativität, die der Digitaldruck bietet, ist unendlich groß.

Kleidung von großen Einzelhandelsketten dem hingegen ist oft sehr viel vom selben. Denk nur mal ein Blumenmuster in verschiedenen Farben, wovon dann ein Hemd, ein Kleid und eine Bluse vom selben Design verkauft wird.

Mit Digitaldruck hast du viel mehr Möglichkeiten zur Entfaltung deiner Kreativität und kann Kleidung in kleineren Auflagen hergestellt und verkauft werden. Dies gibt auch kleineren Designern die Möglichkeit, ihre eigene Kleidung herzustellen.’’

Was macht Digitaldruck so nachhaltig?

„Bei „Print on Demand“ produziert man nur das, was auch verkauft ist, und nicht umgekehrt. Designer geben uns ihr Designfile und die gewünschte Menge durch, und wir produzieren nur genau das.

Wir produzieren nie mehr als das, was geordert wurde. Und deshalb haben wir keine Lagerüberbestände.’’

Der Weg zu einer nachhaltigeren und besseren Modebranche

Wie solltet die ideale Modebranche deiner Meinung nach aussehen?

Ich hätte gerne, wenn alles nachhaltiger wird. Dass wir zu lokalen Herstellern und fairen Löhnen zurückkehren, und einer gerechteren Verteilung des Wohlstands beitragen. Ich habe kein Problem mit der Produktionen der großen Mengen in bestimmten Ländern, aber ich halte es nicht für richtig, dass sich die Löhne so stark unterscheiden. Die Unverhältnismäßigkeit von Ländern ist verkehrt und trägt zum Elend in dieser Branche bei.

In meiner idealen Modewelt wird das Material nachhaltig hergestellt, automatisieren wir mehr Prozesse, setzen wir Dinge wieder ins richtige Verhältnis und produzieren wir lokal für den lokalen Konsumenten.’’

Siehst du ein verändertes Einkaufsverhalten bei Kunden?

„Ja, immer mehr. Zum Beispiel wollen unsere Kunden zunehmend Stoffe aus 100% Tencel anstelle von nur 30% Tencel-Anteil. Andere Unternehmen mischen dieses nachhaltige Material häufig nur bei, um ein billigeres Endprodukt zu bekommen. Unseren Kunden ist es jedoch wichtiger, dass sie einen 100% nachhaltigen Stoff bestellen können. Unsere 100% nachhaltigen Stoffe können sie nirgendswo anders finden.’’

Schau dir mal unseren Blog ‘Was ist Tencel?’ für mehr Infoformation hierzu an.

Warum denkst du, entscheiden sich immer mehr Designer für Nachhaltigkeit? 

„Durch die Verwendung unserer Stoffe können sich Designer besser unterscheiden und sich abheben von der Masse. Kunden hinterfragen auch zurecht: "Wo wird der Stoff hergestellt?" und "Wo finde ich beweisende Zertifikate?“.

Wir sehen, dass viele Kunden zunehmend die Herkunft von Stoffen berücksichtigen; ich finde das großartig. Insbesondere kleine Designer-Marken suchen wirklich nach Möglichkeiten, sich zu profilieren. Mit unseren Stoffen sind wir der perfekte Partner für sie.’’

Welche Tipps hast du für Unternehmer, die auch mehr an Nachhaltigkeit tun möchten und nicht wissen, wo sie anfangen sollen?

„Besuche Messen mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit, um dich zu orientieren. Und suche nach Zusammenarbeit mit Parteien, die dieselbe Vision und Ideen haben wie du.

Auch aufgrund von Greenwashing kann es schwierig sein, geeignete Partner zu finden. Stelle darum kritische Fragen. Mach dich schlau auf verschiedenen Online-Plattformen rund ums Thema nachhaltige Mode, wie z. B. auf Sqetch.

Wir nutzen diese Plattformen auch, um gleichgesinnte Designer auf unsere Dienstleistungen aufmerksam zu machen.“

Sander Lossie choosing fabrics

Eine Vision für die Zukunft

Wie siehst du den Einfluss von Corona versus Nachhaltigkeit in der kommenden Zeit?

„Ein Wandel in der Modebranche ist schon eine Weile im Gange, aber ich denke, dass Corona den Prozess beschleunigt hat. Viele Unternehmer haben sich die Zeit genommen, um darüber nachzudenken, was eigentlich ihr Alleinstellungsmerkmal ist, welchen Weg sie einschlagen wollen und welchen Beitrag sie leisten können.

Wo Unternehmen leider scheitern, gibt es auch Unternehmen die gestärkt daraus hervorkommen. Insbesondere Unternehmen, die dies als eine Gelegenheit sehen, um zu überdenken, wie sie zu einer neuen, nachhaltigeren Welt beitragen können.“

An welchen nachhaltigen Entwicklungen arbeitet House of U derzeit?

„Einerseits entwickeln wir unsere Online-Plattform und andererseits verbessern wir unsere Produktionstechnologie erheblich.

Wir untersuchen, wie wir unsere Produktion nachhaltiger gestalten, weniger Wasser verbrauchen und unseren ökologischen Fußabdruck verringern können. Wir gestalten auch unser Produktportfolio nachhaltiger. In diesem Jahr haben wir bereits bedeutende Schritte unternommen, unter anderem durch das Angebot hochwertiger Polyesterstoffe aus recyceltem Material (U-Circular Serie).

Ab 2020 sind wir begonnen unser Sortiment „auszumisten“. Unser Streben ist, dass mindestens 50% nachhaltige Stoffe sind.

Unser Sortiment nachhaltiger zu gestalten, ist eine wichtige Zielsetzung, woran wir jeden Tag arbeiten.’’

Möchtet ihr 100% Nachhaltigkeit?

„Ja, schlussendlich wollen wir nur nachhaltige Stoffe bedrucken. Dabei wage ich es als Unternehmer, die Entscheidung zu treffen, um beliebte, nicht nachhaltige Stoffe aus dem Sortiment zu streichen. Und durch eine nachhaltige Alternative zu ersetzen.

Die Route, der wir folgen, ist nämlich echt die nachhaltige Route.“